Skip to content

AfD in Osnabrück Beatrix von Storch ruft “Nazis raus”

Am Dienstag hat die Berliner AfD-Politikerin Beatrix von Storch den Bundeswahlkampf in Osnabrück eröffnet. Wegen der geringen Teilnehmerzahl und des starken Gegenprotestes ist diese Wahlkampfveranstaltung zur Farce geraten. Doch es ist auch gut möglich, dass die AfD genau daraus Kapital schlagen wird.

 
Zum kläglichen AfD-Bundestagswahlkampfauftakt mit Beatrix v. Storch in Osnabrück kamen nur wenige Sympathisant_innen. (Quelle: Kira Ayyadi)

Lediglich 30 bis 40 AfD-Sympathisant_innen fanden sich am Dienstagabend auf dem Rathausplatz in Osnabrück ein, der , trotz des großen Polizeiaufgebots beinahe menschenleer wirkte. Niedersachsens AfD-Landeschef Armin Paul Hempel versuchte, der  beschaulichen Menge einzuheizen. Doch schon seine hetzerischen Parolen gingen im lauten Getöse der rund 2.000 Gegendemonstrant_innen unter.

 

Nur wenige AfD-Sympathisant_innen kamen zum Bundestagswahlkampfauftakt

Beatrix von Storch hat jetzt den Spruch „Nazis raus“ für die AfD reklamiert

Absurd wurde es, als die Europa-Politikerin von Storch, Mitglied in der EU-skeptischen und rechtspopulistischen Fraktion „Europa der Freiheit und der direkten Demokratie“, ihren Auftritt begann und von ihrer kleinen Osnabrücker Anhängerschaft forderte, in Richtung der Gegendemonstranten zu rufen „Nazis raus. Wir meinen euch dahinten. Denn ihr seid …. Ziemlich… genau, Nazis raus! Das ist unser Spruch.“ Beatrix von Storch sagte, dass sie diesen Wahlkampfauftakt anders geplant hatte, doch nach kurzem Zaudern fand Frau Storch sich dann aber in ihrer Opferrolle ein, gefiel sich in dieser und schlachtete sie genüsslich aus.

Restaurant-Besitzer Lorenzo veranstaltete auf dem Platz einen Jonglierkurs unter dem Motto „Bunte Bälle statt braunem Geschwafel“

Die DemonstrantInnen sind in Beatrix von Storchs Augen die Faschisten

Doch möglicherweise ist genau dies, was die populistische Partei mit ihrem Bundestagswahlkampfauftakt bezwecken wollte: Die Opfer-Rolle, die Märtyrer-Partei, deren Sympathisant_innen durch Sitzblockaden der Protestierenden von der Kundgebung ferngehalten wurden. Denn auf den ersten Blick ist nicht ersichtlich, wieso die AfD sich ausgerechnet Osnabrück ausgesucht hat, um ihren Wahlkampf zu beginnen. Hat die Partei es in den vergangenen Jahren doch nicht einmal geschafft, hier Kandidat_innen für die Kommunalwahl aufzustellen. Darüber hinaus hat sich der Kreisverband durch innerparteiliche Machtkämpfe beinahe komplett zerlegt.

Armin Paul Hempel will 2017 die Regierungsverantwortung als Mehrheitskoalitionspartner

Inhaltlich gab es bei diesem Wahlkampfauftakt nichts Neues, was nicht bereits von AfDlern in diversen Talkshows gesagt wurde. Lediglich Hempels Aussage: „Vier Jahre Oppositionspolitik im deutschen Bundestag, da lernen wir wie’s geht, 2021 wollen wir die Regierungsverantwortung als Mehrheitskoalitionspartner” lässt vermuten, dass diese beiden rechtspopulistischen Politiker wohl nichts von Frauke Petrys auch aktuell bereits geplanter Koalitionsfähigkeit halten.

 

Niedersachsens AfD-Landeschef Armin Paul Hempel schreit gegen die Demonstrant_innen an

Denn die Parteichefin Petry gibt vor, zurück zum bürgerlichen Kurs zu wollen, den sie unter ihrem Vorgänger Bernd Lucke selbst sabotiert hatte. Auf dem kommenden Parteitag in Köln wird für diesen realpolitischen Weg der AfD werben.

 

Lesen Sie mehr zum Thema auf Belltower.News:

„Relativ viele“ neue „Einzelfälle“ – Die AfD im Spannungsfeld Rechtsextremismus

Videoreihe: Frauen bei Pegida und im Rechtspopulismus

Handlungsempfehlungen zum Umgang mit der AfD

Wie umgehen mit der AfD in den Medien?

Belltower.News macht gemeinnützigen Journalismus, denn wir klären auf und machen das Wissen von Expert*innen zu Antisemitismus, Rassismus und
Rechtsextremismus und allen anderen Themen der Amadeu Antonio Stiftung für alle zugänglich.
Unsere Reportagen, Recherchen und Hintergründe sind immer frei verfügbar und verschwinden nie hinter einer Paywall. Dafür brauchen wir aber auch deine Hilfe.
Bitte unterstütze unseren Journalismus, du hilfst damit der digitalen Zivilgesellschaft!

Read more

feuer

Weihnachten rechtsaußen auf Instagram Feuer und Hass

Wenn Weihnachten vor der Tür steht, können Rechtsextreme und Rechtspopulist*innen ja auch in Stimmung sein: Müsste ja ihr Fest sein,…

Von
20180614_110146

Klare Positionierung Berliner Träger für Menschenrechte und gegen Rechtspopulismus

Über 55 Berliner Träger aus dem sozialen Bereich sprechen sich eindeutig für „Menschenrechte und eine demokratische Kultur“ aus.

Von
11569 2017-02-22-baergida Quo vadis Pegida Berlin

Quo vadis, Pegida? Heute Berlin

In vielen Bundesländern gab und gibt es Ableger von Pegida. In loser Serie betrachtet die Amadeu Antonio Stiftung auf netz-gegen-nazis.de die „Gidas“ der Bundesländer – auch unter Gender-Aspekten. Auch in Berlin gibt es einen Pegidaableger: Bärgida. Im November 2016 hatte Bärgida den 100. „Abendsparziergang“, sie sind auch weiterhin auf der Straße. Also eine Erfolgsgeschichte?

Von

Schlagen Sie Wissenswertes in unserem Lexikon nach.