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„Das Problem heißt Rassismus“ – Gedenken an Rostock-Lichtenhagen

Am vergangenen Wochenende versammelten sich rund 6.000 Menschen in Rostock-Lichtenhagen, um den rassistischen Ausschreitungen und Übergriffen, die sich vom 22. bis 29. August 1992 ereigneten, zu gedenken. Vor 20 Jahren hatten sowohl Rechtsextreme als auch Anwohner*innen die zentrale Aufnahmestelle für Asylsuchende des Landes Mecklenburg-Vorpommern belagert, ehe sie das Haus, in dem auch vietnamesische Arbeiter*innen lebten, in Brand setzten.

 
"Rassismus Tötet" - 6.000 Menschen folgten dem Aufruf des Bündnisses "20 Jahre nach dem Progrom - Das Problem heißt Rassismus" nach Rostock, um an die rassistischen Ausschreitungen vor 20 Jahren zu erinnern. (Quelle: Amadeu Antonio Stiftung / tr)

„In Rostock und anderen deutschen Städten gingen Menschen im August 1992 mit rassistischen Gewalttaten und Brandstiftungen gegen unschuldige Familien, Kinder, Frauen und Männer vor“. Dieser Text steht seit vergangenem Samstag auf einer Tafel am Rostocker Rathaus und ist den Bewohner*innen des sogennanten „Sonnenblumenhauses“ gewidmet, die im August 1992 tagelang den Angriffen und diskriminierenden Parolen von Neonazis und Nachbarn ausgeliefert waren. Zu der Kundgebung am 25.08.2012 mit anschließender Tafelanbringung hatte das Bündnis „20 Jahre nach dem Progrom – Das Problem heißt Rassismus“ aufgrufen, rund 1.500 Teilnehmer*innen fanden sich auf dem Platz vor dem Rathaus zusammen.

Das Zitat ist allerdings nicht neu. Es sollte schon 1992 am Rathaus in Rostock dafür sorgen, dass die rassistischen Ereignisse niemals in Vergessenheit geraten. Damals hatte die Gruppe „Söhne und Töchter der deportierten Juden Frankreichs“, an der sich auch Beate Klarsfeld beteiligte, die Tafel angebracht, ehe sie von der Polizei festgenommen wurden. Die Tafel wurde sofort entfernt.

Der zweite Versuch: Die Gedenktafel wird 20 Jahre nach den Übergriffen erneut am Rostocker Rathaus angebracht

Die Kundgebung zog anschließend von der Innenstadt nach Lütten Klein, einem Stadtteil nahe Lichtenhagen. Vor dem „Sonnenblumenhaus“ versammelten sich rund 6.000 Demonstrant*innen. Dabei sollte nicht nur den rassistischen Ereignissen von vor 20 Jahren gedacht werden, sondern auch daran erinnert werden, dass im Juni 1993 eine Asylrechtsreform in Kraft getretenen, die das Grundrecht auf Asyl erheblich einschränkte. Vom Bündnis hieß es dazu: „Nach dem Pogrom von Rostock-Lichtenhagen wurde das Asylrecht faktisch abgeschafft. Seither werden Flüchtlinge systematisch diskriminiert. Der rechte Mob hat seinen Willen bekommen – bis heute. Das ist der Skandal dieses Jahrestags“.

Auf der Gedenkveranstaltung am Sonntag sprach auch Bundespräsident Joachim Gauck vor den versammelten Personen in Rostock. Er setzte sich in seiner Rede für einen wehrhaften Staat und mutige Bürger ein. Eine solidarische Gesellschaft sei nötig, um Fremdenfeindlichkeit und Hass entgegen zu treten, sagte Gauck und hob das Urteil des Bundesverfassungsgerichts zum Asylrecht vom Juli diesen Jahres hervor. Das Verfassungsgericht habe mit dem Urteil an die im Grundgesetz verankerte Unantastbarkeit der Menschenwürde erinnert, die auch für Asylbewerber gelte. Gaucks rede wurde stellenweise von „Heuchler, Heuchler“ Rufen einiger kritischer Demonstranten gestört, die ein Transparent mit den Worten „Rassismus tötet“ hochhielten.

Eine Eiche wurde am Sonntag in der Nähe des „Sonnenblumenhaus“ gepflanzt, um an die Geschehnisse zu erinnern. Die 20 Jahre alte „Mahneiche“ ist mit einer Plakette versehen, auf der ein Ausschnitt aus der UN-Menschenrechtscharta zu lesen ist: „Alle Menschen sind frei und gleich an Würde und Rechten geboren. Sie sind mit Vernunft und Gewissen begabt und sollen einander im Geiste der Brüderlichkeit begegnen.“ Auch die symbolische Verwendung einer deutschen Eiche, um den rassistischen Ausschreitungen von 1992 zu gedenken, wurde im Vorfeld kritisiert.

Mehr auf netz-gegen-nazis.de:

| Kommentar: In guter Gesellschaft?

Mehr im Internet:

| Der Geist von Rostock-Lichtenhagen ist allgegenwärtig (mut-gegen-rechte-gewalt.de)

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