Weiter zum Inhalt

Jasmin Kosubek Zwischen Döner-Witzen und Volksgemeinschaft 

Jasmin Kosubek war früher beim russischen Staatssender RT, heute ist sie erfolgreiche YouTuberin. Ihr Format normalisiert rechtsextreme Ideologie, nicht durch Propaganda, sondern durch Sympathie, Scheinoffenheit und prominente Szene-Gäste.

 
Jasmin Kosubek im Interviwe mit Götz Kubitschek (Quelle: YouTube Screenshot aus dem Interview "Götz Kubitschek: Wie sieht ihr Deutschland aus?")

Der Videopodcast „Jasmin Kosubek“ ist einer der erfolgreichsten in der rechten Medienlandschaft und darüber hinaus. 333.000 Menschen haben den Kanal auf YouTube abonniert. Das Setting ist stets dasselbe: Kosubek lädt einen Gast ein und redet mit ihm. Sie stellt Nachfragen, auch kritische.

Das klingt nun erst mal recht unproblematisch, nach reinem Journalismus. Das Besondere, aber auch längst nicht mehr Einzigartige: Hier wird auch extrem rechten Demagogen eine Bühne geboten. So war etwa Anfang des Jahres der neurechte Vordenker Götz Kubitschek in ihr Studio geladen. Dort konnte er über die vermeintlich glorreiche Heldengeschichte seines „Instituts für Staatspolitik“ erzählen und schwadronieren, dass „die Antifa“ gewaltvoll und gefährlich sei. Und auch der ehemalige Nius-Autor Jan Karon durfte bei Kosubek die steilsten Thesen seines Buchs „Die Bastardmoderne“ vorstellen, nämlich dass Menschen an Identitätsverlust leiden würden, weil sich Innenstädte verändern, natürlich wegen der Migrant*innen.

Der Beginn bei Russia Today Deutschland

Kosubeks Formatgeschichte beginnt nicht mit dem eigenen YouTube-Kanal, sondern 2014 bei RT Deutschland. Nach der Gründung von Russia Today Deutschland (RT) gehörte sie zu den frühen Mitarbeiter*innen des Unternehmens. Dabei ist RT kein gewöhnliches Medium. Es ist ein vom russischen Staat finanzierter Auslandssender und gilt als Propagandainstrument, das über Medienberichterstattung, Gesellschaften und Politik in anderen Ländern Einfluss nehmen will. Laut Bundesverfassungsschutz soll Russia Today zur Verbreitung von Desinformation und zur Einflussnahme auf den westlichen Mediendiskurs eingesetzt worden sein. Nach dem russischen Angriff auf die Ukraine wurde RT Deutschland 2022 in der EU verboten. Es gibt jedoch starke Hinweise darauf, dass RT einige Medienformate unter neutralem Namen weiterführt.

Kosubek spricht recht offen über ihre Zeit bei RT und das ausgerechnet in einem Interview mit dem Medienpodcast der Ostdeutschen Allgemeinen Zeitung, einem Medium, dem selbst Nähe zu Russland vorgeworfen wird. Verantwortet wird die Zeitung von Holger Friedrich, dem eine persönliche Nähe zu Putin nachgesagt wird. Dass Kosubek ausgerechnet dort über ihre RT-Vergangenheit Auskunft gibt, ist symptomatisch für das Milieu, in dem sie sich bewegt.

Hier räumt Kosubek ein: Man habe „außenpolitisch natürlich durchaus eine russische Linie verfolgt“ und sei „eindeutig nicht in diesem westlichen NATO-Narrativ eingebunden“ gewesen. Die redaktionelle Grundhaltung beschreibt sie als „antietatisch libertär“, also staatskritisch, ohne klares politisches Bekenntnis. Schon damals lud sie Gäste ein, die etwa unwidersprochen die rechtsextreme Verschwörungserzählung vom „Bevölkerungsaustausch“ verbreiteten. 2021 verließ Kosubek RT, ein Jahr später startete sie ihren eigenen Kanal. Das Muster, die offene Gesprächsatmosphäre, kaum Einordnung, viel Raum für rechte und verschwörungsideologische Narrative, blieb erhalten.

Diskursöffnung

Kosubeks Gespräche dauern oft mehrere Stunden. Gerade diese Länge ist ein zentrales Merkmal des Formats. Die Grenzen zwischen journalistischer Moderation, persönlichem Austausch und politischer Positionierung verschwimmen. Während klassische Talkshows auf wenige Minuten zugespitzter Debatte setzen, erhalten Kosubeks Gäste Raum, ihre Weltsicht ausführlich darzulegen. Das schafft eine Atmosphäre von Tiefe und Authentizität. Gleichzeitig entsteht der Eindruck, hier würden Positionen ausgesprochen, für die in etablierten Medien kein Platz mehr sei.

Videoauswahl von Kosubeks YouTube-Kanal

Der Elefant im Raum

Kosubek inszeniert sich dabei als Gastgeberin einer offenen Debatte. Es wirkt meist harmonisch zwischen ihr und ihren Gesprächspartner*innen. Immer wieder spricht sie davon, „ehrlich miteinander reden“ zu wollen. Sie konfrontiert ihre Gäste zwar mit Vorwürfen, die ihnen entgegengebracht werden, etwa Rechtsextremismus, Verschwörungsglauben oder Demokratiefeindlichkeit, verzichtet jedoch häufig darauf, Aussagen systematisch einzuordnen oder zu widerlegen. Stattdessen werden Konflikte oft als legitimer Meinungsstreit zwischen unterschiedlichen Perspektiven dargestellt.

„Eingebürgerte Ausländer“

Es wirkt beinahe etwas witzig und sympathisch, wenn Götz Kubitschek ihr erklärt, weshalb er das Essen von Döner für einen „Kulturbruch“ hält. Die Begründung: „Man frisst nicht aus der Hand, als Deutscher solle man lieber Thüringer Bratwurst essen“ – die wiederum dürfe man aber ohne Messer und Gabel essen, weil das einfach dazugehöre, zum deutschen Volk.

Wie weit Kubitscheks Volksbegriff von bloßem Heimatgefühl entfernt ist, zeigt sich im weiteren Gespräch deutlich: Er definiert „Volk“ als „Abstammungsgemeinschaft“ und „Verpflanzungsgemeinschaft“. Der Kleinverleger erklärt weiter, Deutscher sei primär, wer deutsche Eltern habe, also Deutschsein nach Abstammung, nach Blutlinie. Eingebürgerte könnten ihr Deutschsein allenfalls im Krisen- oder Kriegsfall beweisen, indem sie gegen ihre ehemaligen Landsleute vorgehen.

Als Beispiel konstruiert Kubitschek das Bild eines eingebürgerten Afghanen bei der Polizei, der gegen seine „eigenen Landsleute“ einschreiten müsse. Denn Afghanen, so Kubitschek, brächten eine „extrem hohe kriminelle Energie“ mit. Eine pauschale Kriminalisierung ganzer Bevölkerungsgruppen, die Kosubek unkommentiert stehen lässt. Das Konzept, das Kubitschek hier skizziert, hat einen Namen: völkisches Staatsdenken.

Das Problem: Scheinoffenheit

Zuerst die harmlos wirkende Döner-Anekdote, dann die ideologische, verfassungsfeindliche, Substanz dahinter. So wird rechtsextreme und völkische Ideologie normalisiert. Doch genau das erzeugt eine gefährliche Scheinoffenheit. Denn wenn demokratische Positionen, Verschwörungsmythen und extrem rechte Narrative gleichberechtigt nebeneinanderstehen, entsteht der Eindruck, es handle sich lediglich um unterschiedliche Meinungen innerhalb eines legitimen Meinungsspektrums. Die Frage ist dann nicht mehr, ob eine Behauptung wahr oder falsch ist, sondern nur noch, wer sie überzeugender präsentiert, ganz egal, wie sehr hier die Würde mancher Menschen abgewertet wird.

Doch das Format bedient sich noch einer weiteren Strategie: der Scheinlegitimierung durch linke Gäste. Auch Influencer wie der queerfeministische Autor Ole Liebl oder der linke Online-Aktivist Simon David Dressler waren bereits bei Kosubek zu Gast. Das ist kein Zufall und kein Zeichen von Offenheit. Vielmehr ist es Kalkül. Denn ihre Teilnahme erzeugt den Eindruck, Kosubek führe ein politisch ausgewogenes Format, schließlich kämen hier alle zu Wort. Was dabei übersehen wird: Die Rahmung bleibt dieselbe, die Moderation bleibt dieselbe, und der Großteil der Gäste kommt weiterhin aus dem rechten bis extrem rechten Spektrum. Linke Stimmen sind hier nicht das Korrektiv, sondern Alibi. Liebl begründet seine Teilnahme damit, in rechte Bubbles vordringen zu wollen, ein durchaus verständlicher Ansatz. Aber ob das gelingt oder ob er dabei vor allem Kosubeks Erzählung der neutralen Journalistin stützt, bleibt offen.

Eine Wertebasis sucht man bei Kosubek fast vergeblich. Und so stehen hier Aussagen des linken Autors Ole Nymoen zu seiner Ablehnung des Wehrdienstes neben jenen kruden Verschwörungserzählungen von Rapper B-Lash, der im Gespräch von „Babyfresserei“ in Hollywood und in der Politik spricht. B-Lash, bürgerlich Yousefali Bidarian Nejad, beschreibt im Interview „Kinderfresserei, Kannibalismus und embryonale Gewürzmischung“ als möglicherweise wahr. Die Epstein-Akten seien absichtlich veröffentlicht worden, um die Gesellschaft auf ein neues technokratisches Überwachungssystem vorzubereiten, gesteuert von Bankenfamilien und Geheimdiensten. Die japanische Animeindustrie? Ein Instrument amerikanischer Geheimdienste mit „ganz eindeutig pädophilen Zügen“. Kosubek fragt nach, ob das nicht zu spekulativ sei. Dann geht das Gespräch weiter.

Was diese Gespräche zusammenhält, ist kein inhaltlicher Rahmen, sondern ein persönlicher. Kosubek spricht über ihr eigenes Leben, ihre Erfahrungen und ihre politische Entwicklung. Diese Nähe schafft Vertrauen und stärkt die Bindung an die Community. Das Format lebt weniger von institutioneller Glaubwürdigkeit als von persönlichen Beziehungen und dem Gefühl, Teil einer exklusiven Gegenöffentlichkeit zu sein.

Dadurch wird die Sendung zu einem Raum, in dem die Grenzen des Sagbaren verschoben werden können. Kritiker*innen warnen davor, dass extrem rechte oder verschwörungsideologische Positionen durch genau diese Form der Inszenierung normalisiert werden. So fungiert Kosubeks Format letztlich als Resonanzraum einer digitalen Gegenöffentlichkeit, die sich als Alternative zu etablierten Medien versteht. Das Gefährliche daran ist nicht, was offen gesagt wird, sondern was zwischen Döner-Witzen und völkischem Staatsdenken unkommentiert stehen bleibt.

Belltower.News macht gemeinnützigen Journalismus, denn wir klären auf und machen das Wissen von Expert*innen zu Antisemitismus, Rassismus und
Rechtsextremismus und allen anderen Themen der Amadeu Antonio Stiftung für alle zugänglich.
Unsere Reportagen, Recherchen und Hintergründe sind immer frei verfügbar und verschwinden nie hinter einer Paywall. Dafür brauchen wir aber auch deine Hilfe.
Bitte unterstütze unseren Journalismus, du hilfst damit der digitalen Zivilgesellschaft!

Weiterlesen

Kubitschek Heißer Herbst Leipzig 5-9-2022klein_71 (6)

Aktion 451 Rechstextremer Kulturkampf an Hochschulen

Die neue rechtsextreme Hochschulgruppe „Aktion 451“ wirbt an deutschen Hochschulen um Nachwuchs, vernetzt sich mit dem rechtsextremen Vorfeld und verschiebt die Grenzen des Sagbaren auf dem Campus. Ihr Verhältnis zur AfD sorgt dabei für Konflikte innerhalb der Partei.

Von
Solidaritaetskundgebungmit Collien Fernandes und gegen sexualisierte digitale Gewalt, Nuernberg, 29.03.2026

Bitch Hunt Die rechte Empörungsmaschine

Veronika Kracher beschreibt in ihrem Buch Bitch Hunt, wie rechte Akteur*innen gezielt Empörung erzeugen und Menschen in eine Welt permanenter Bedrohung ziehen.

Von
NIUS Collage

Verlustgeschäft mit Einfluss Das System Nius – hauptsache gegen “links” 

Trotz roter Zahlen gewinnt das Nachrichtenportal NIUS an Einfluss. Die Währung klassischer Medienhäuser scheint für NIUS nicht zu gelten.

Von

Schlagen Sie Wissenswertes in unserem Lexikon nach.