Ibrahim Akkuş wurde in der Arena-Bar von dem rechtsextremen Täter angeschossen und schwer verletzt. Er litt dauerhaft unter den körperlichen und seelischen Folgen des Anschlags. Während er vor der Tat selbstständig und mobil war, war er danach auf einen Rollstuhl und auf die Pflege durch seine Frau und Tochter angewiesen. Sein Alltag, seine Selbstständigkeit und seine Lebensperspektive veränderten sich grundlegend. Am 10. Januar ist Akkuş im Alter von 70 Jahren gestorben.
Der Anschlag von Hanau richtete sich gezielt gegen rassifizierte Menschen. Neun Personen wurden ermordet, zahlreiche weitere verletzt. Ibrahim Akkuş wurde Opfer derselben rechtsextremen Ideologie – auch wenn er nicht zu den unmittelbar Getöteten zählte. Sein Tod macht deutlich, dass die gängige Trennung zwischen „Getöteten“ und „Überlebenden“ der Realität rechter Gewalt nicht gerecht wird. Die Gewalt wirkt fort, langfristig, strukturell und in diesem Fall tödlich.
Staatliche und gesellschaftliche Verantwortung endet nicht mit der akuten medizinischen Erstversorgung. Überlebende rechter Gewalt sind langfristig auf Unterstützung angewiesen: psychologisch, sozial, finanziell und rechtlich. Betroffene und Angehörige des Hanau-Anschlags kritisieren seit Jahren unzureichende Betreuung, fehlende Anerkennung der Folgen und mangelnde Konsequenzen aus dem staatlichen Versagen vor, während und nach dem Anschlag. Der Tod von Ibrahim Akkuş zeigt, welche Folgen diese Defizite haben.
Ibrahim Akkuş starb nicht losgelöst von dem Anschlag, sondern an dessen Folge. Das zu benennen ist notwendig, um rechtsextreme Gewalt nicht auf einzelne Tatmomente zu reduzieren. Rassismus zerstört Leben nicht nur durch Mord, sondern auch durch die langfristigen Schäden, die er hinterlässt.
Ibrahim Akkuş war ein Betroffener rechter Gewalt. Sein Tod ist Teil der Kontinuität rechtsextremer Gewalt in Deutschland und für eine bis heute unzureichende Aufarbeitung und Unterstützung von Überlebenden.


