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Identitäre Am 25.08.2018 will die IB in Dresden „Mosaikrechte“ vernetzen

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Weil die IB auf Facebook nicht mehr gelitten ist, muss sie eben im russischen VK-Netzwerk werben. Sieht dann aber auch nicht so schön aus. (Quelle: Screenshot VK.com, 24.08.2018)

 

 

Das rechtsextreme Bündnis der sich selbst „Bewegung“ nennenden „Identitären“  sind bisher als Scheinriesen aufgefallen: Viel Aktionismus durch wenige Aktive. Trotzdem reicht das Selbstbewusstsein offenbar, um eine Probe aufs Exempel zu machen:  Am morgigen Samstag, den 25.08.2018, findet in Dresden, immerhin Heimatstadt vieler teilnehmerstarker rechter Outdoor-Veranstaltungen, ein Vernetzungstreffen statt: „Europa Nostra Festival“ heißt es, und es soll verschiedene rechte Szenen vernetzen. Auf Twitter sagte „Pegida Offiziell“ bereits „Hallo“ und kündigt die Teilnahme an – ob allerdings auch die größtenteils älteren Wutbürger*innen  zur „patriotischen Jugendkultur“ zählen, die hier gefeiert werden soll, sei einmal dahingestellt.

„Pegida“-Freund*innen sind allerdings bestimmt hilfreich, um die von der IB angekündigten 600 Teilnehmer*innen zu erreichen, denn öffentlich treten für die IB Deutschland bisher eher um die 100 Menschen auf, und die stehen zumindest gefühlt alle bei „Europa Nostra“ auf den drei vorhandenen Bühnen. Denn wenn die „Identitäre Bewegung“ schwärmt, dass sich in Dresden ein Netzwerk von “Rednern,  Unternehmern, Musikern, Autoren, Filmemachern, Grafikern und Künstlern” träfe, umschreibt dies oft immer wieder die gleichen Akteur*innen (ja, es gibt auch Frauen, wenn auch nicht viele) unter verschiedenen Labels.

Immerhin gibt das Festival-Lineup einen guten Überblick über Unternehmungen im Umfeld der IB Deutschland.  So kommt die rassistische IB-Frauen-Aktion „120 Dezibel“ ebenso wie die lang angekündigte, aber seit Jahren nicht funktionierend umgesetzte  IB-Tinder-App „Patriot Peer“. Dazu können sich die Besucher*innen beim identitären Modelabel „Phalanx Europa“ einkleiden oder im „IB-Laden“ gelb-schwarz gestaltete Propaganda kaufen und dazu sogar rechtsextrem vermarktetes Bier trinken („Pils Identitär“ aus Mecklenburg-Vorpommern).  Das rechtsextreme Projekt „EinProzent“, das sich „Bürgerinitiative“ nennt und Geld unter anderem für die IB sammelt, wird mit Sammelbüchsen vertreten sein. Das alles klingt nach Versuchen, den rechten Sympathisant*innen das Geld aus der Tasche zu locken.

 

Vernetzung der „Mosaikrechten“

Aber angepriesen wird „Europa Nostra“ als Vernetzungs- und Austauschtreffen von „Mosaikrechten“, und wenn Sie sich fragen, was das ist, erklärt das am Samstag in Dresden Philip Stein von „EinProzent“, aber in nicht-öffentlicher Bewerbung der Veranstaltung wird es bereits verraten: „Mosaikrechte“ sind  „Eine Zusammenfassung verschiedener Akteure des Widerstandsmilieus, die sich auf unterschiedlichen Feldern der Agitationsformen und politischen Handelns bewegen und dabei das Ziel der Brechung der Multikulti-Herrschaft und des linksliberalen Mainstreams hinarbeiten.“ Das klingt gar nicht so friedlich, wie die IB immer vorgibt zu sein, aber das heißt dann wohl auch die Vernetzung von Rechtsextremen der „alten“ und „neuen“ Rechten mit AfD, Pegida, Flüchtlingsfeinden und Hooligans, und das ist in der Tat eine Spezialität in Dresden. Dazu explizit erwähnt: “Infokrieg-Bündnisse” aus dem Internet, in dem die IB eben auch zu Hause ist.

 

Als Redner*innen und Auftretende kommen nach Dresden die Gesichter, die alle identitären Social Media-Fans aus dem Internet kennen:

Wei sie  in Österreich nicht als kriminelle Vereinigung verurteilt, sondern freigesprochen wurden, kommen IB-Posterboy Martin Sellner ebenso wie sein „Phalanx Europa“-Kompagnon Patrick Lennart und Österreichs IB-Vorzeigefrau Ingrid Weiß nach Dresden und reden unter anderem natürlich über den Prozess aka „staatliche Repression“.

Aus Deutschland  steht IB-Sprecher Daniel Fiß auf der Bühne, begrüßt und spricht später über „Neue Medien und Gegenöffentlichkeit“, unter anderem mit Kai Naggert aus NRW, der die Umsetzung der glücklosen „Patriot Peer“-App  von Martin Sellner übernommen hat. Hier kommt auch Alex Malenki zu Wort, der mit „Laut gedacht“ den wohl bekanntesten deutschen IB-YouTube-Kanal mit rechter Hetze füllt.

Philip Thaler von „Kontrakultur Halle“ spricht über das IB-Haus in Halle, das szeneintern den Namen „Haus Flamberg“ bekommen hat (nach einem mittelalterlichen Schwert).

Als Vertreter der älteren „Neuen Rechten“ wird Antaios- und Sezessions-Verleger Götz Kubitschek seine Theorien über den Nachwuchs ergießen.

Das Finale des Reden-Teils Veranstaltung gehört dem bekanntesten IB-Akteur Martin Sellner, Vorbildfigur nicht nur für deutsche und österreichische Identitäre, sondern beliebter Kooperationspartner für Rechte in ganz Europa. Er wird auf der Bühne darzustellen versuchen, warum die „Metapolitik“ der Identitären – also Engagement im vorpolitischen Raum –  so wichtige „Widerstandsarbeit“ ist für die „patriotische Gegenkultur“, auch wenn sie für Außenstehende oft nur so aussieht wie wenige Menschen, die rassistische oder nationalistisch Schilder aufhängen und schnell wieder weglaufen.

Als „Jugendbewegung“, die die IB sein will, kann es natürlich kein „Festival“ ohne Musik geben, und auch hier wird Szene-Prominenz auf der Bühne stehen:  IB-Rapper Chris Ares und Komplott sind der Haupt-Act, aber auch das deutsche IB-Postergirl Melanie Schmitz, die als „Varieté Identitaire“ Musik macht, wird ihre Fans haben. Eher zum Fremdschämen klingt die zuvor angekündigte „Volkstanzeinlage“,  aber so sieht das angebliche Tradition- und Kultur-Schützen dann eben praktisch aus.

 

Gegenaktionen

Während die Vernetzung nach innen den Rechtsextremen hier mutmaßlich gelingt, dürfte die Wirksamkeit auf Unbedarfte nach außen gering sein,  denn unkommentiert wird wohl niemand das Veranstaltungsgelände betreten können. Zahlreiche Gegenaktionen in der Stadt weisen auf den rechtsextremen Geist der Veranstaltung hin.

11-17 Uhr Herkulesallee

„Kein Platz für Nazi-Hipster!“ Versammlung für Protest in Sicht- und Hörweite, Infos auf Facebook: https://www.facebook.com/events/637160626654497/

 

12 Uhr, Hygiene-Museum

Konzert von „Banda Kommunale“

Außerdem ganztägig freier Eintritt zur aktuellen Sonderausstellung über Rassismus und Demokratiekonferenz der Stadt Dresden und des Bündnisses gegen Rassismus für ein gerechtes und menschenwürdiges Sachsen.

 

Ab 14 Uhr, Scheunevorplatz

Treffpunkt zur Demonstration zur Altstädter Elbseite gegen das IB-Treffen, organisiert von der „Initiative Seebrücke“, Infos auf Facebook https://www.facebook.com/events/246887269162765/

 

15.30 Uhr, Hygiene-Museum

Breakdancer „Beat Fanatics“ unter dem Motto „Tanzen statt Hetze“

 

15.30 Uhr, Neumarkt

Platzkonzerte von Laienchören, Bands und Ensembles, bevor um 17 Uhr das Staatsschauspiel am Postplatz feierlich sein Saisoneröffnungsfest feiert.

 

17.45 Uhr bis 18.30 Uhr, Vorplatz zum Kulturpalast:

Gemeinsames Singen und Musizieren der Stadt, der Dresdner Philharmonie, der Dresdner Musikfestspiele und der Initiative Weltoffenes Dresden: „So klingt Dresden“.

 

Für die Stimmung sei hier noch ein Video eingefügt, dass die IB musikalisch gut beschreibt:

 

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Dresden-Übigau „Gruppe Freital“ nutzte Zelt „besorgter Bürger“ als Treffpunkt für Gewalttaten

Im Jahr 2015 wollten in Dresden viele Politiker mit „besorgten Bürgern“ reden – auch mit einer Gruppe Übigauer, die 22 Tage lang (!) eine Turnhalle blockierten, die Flüchtlingsunterkunft werden sollte. Doch die „besorgten Blockierer“ hatten auch anderen Besuch: Dort vernetzten sich Neonazis für Hetze und Gewalttaten – unter anderem Mitglieder der „Gruppe Freital“, denen gerade der Prozess wegen Rechtsterrorismus gemacht wird.

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