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Markus Frohnmaier Ein russisches Geschmäckle

Russische Akteure wollten seine Kandidatur „unterstützen“, denn er sei „unter absoluter Kontrolle“. Er reiste auf die annektierte Krim und bewegte sich in einem Netzwerk prorussischer Ideologen. Der Fall Markus Frohnmaier zeigt, wie eng politische Nähe und geopolitische Interessen ineinandergreifen können.

 
Markus Frohnmaier fällt immer wieder mit engen Verbindungen nach Russland auf. (Quelle: picture alliance/dpa | Silas Stein)

Am Sonntag wählt Baden-Württemberg einen neuen Landtag. Unter den Kandidaten ist auch der AfD-Bundestagsabgeordnete Markus Frohnmaier. Damit rückt eine Frage in den Fokus, die im Wahlkampf bislang nur am Rande diskutiert wurde: Wie eng ist der AfD-Politiker mit russischen Macht- und Einflussstrukturen vernetzt?

Seit Jahren weist Frohnmaier Vorwürfe zurück, seine Russlandkontakte gingen über normale außenpolitische Gespräche hinaus. Doch die Debatte speist sich nicht aus Gerüchten, sondern aus internationalen Recherchen, parlamentarischen Dokumenten und sicherheitsrelevanten Vorgängen.

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Das Strategiepapier von 2017: Frohnmaier „unter absoluter Kontrolle“?

2019 veröffentlichten mehrere Medien Recherchen zu möglichen Einflussversuchen aus Moskau auf deutsche Politik. Im Zentrum stand ein internes Papier aus der Präsidialverwaltung von Wladimir Putin, das offenbar vor der Bundestagswahl 2017 kursierte. Darin werden Strategien beschrieben, mit denen EU-Staaten destabilisiert und russische Interessen in Europa gestärkt werden könnten.

Als konkretes Projekt wird laut Spiegel die „Unterstützung“ der Bundestagskandidatur des AfD-Politikers Markus Frohnmaier genannt. In einer E-Mail vom 3. April 2017 heißt es demnach, man werde im Bundestag einen Abgeordneten haben, „der zu uns gehört“ und „unter absoluter Kontrolle“ stehe. Ob diese Einschätzung auf realem Einfluss oder Wunschdenken beruhte, ist nicht belegt.

Frohnmaier wies die Vorwürfe zurück, erklärte, er habe weder Unterstützung aus Russland erbeten noch erhalten, und könne mit dem Papier „nichts anfangen“. Politisch bemerkenswert bleibt dennoch, dass russische Akteure ihn offenbar als verlässlichen Ansprechpartner und strategisch nutzbaren Verbündeten einstuften.

Frohnmaiers steiler Aufstieg

Der 1991 in Rumänien geborene und als Kleinkind von einer deutschen Familie adoptierte Frohnmaier machte in der AfD eine steile Karriere. Von 2015 bis 2018 stand er an der Spitze der Parteijugend „Junge Alternative“.

Im März 2015 gehörte er zu den Erstunterzeichnern der „Erfurter Resolution“, dem Gründungsdokument des späteren „Flügels“ um Björn Höcke. Der „Flügel“ prägte in der Folge den Rechtskurs der Partei entscheidend mit. Außerdem soll Frohnmaier Unterstützer der rechtsextremen Identitären Bewegung gewesen sein.

Das Bundesamt für Verfassungsschutz verweist in seinem 2019 veröffentlichten Gutachten zur AfD unter anderem auf Kontakte des Abgeordneten in islamfeindliche Netzwerke. Genannt wird dabei auch eine zeitweise Nähe zur „German Defence League“, die vom Verfassungsschutz als rechtsextrem eingestuft wird.

Karriereschädlich war das nicht: Er arbeitete zunächst als Pressesprecher von Frauke Petry, später auch für Alice Weidel, bevor er 2017 in den Bundestag einzog.

Krim-Reisen und Kontakte nach Moskau

Seine außenpolitische Ausrichtung unterstrich Frohnmaier auch durch Reisen auf Einladung der russischen Regierung, unter anderem auf die 2014 völkerrechtswidrig annektierte Krim sowie in die von Russland kontrollierte ostukrainische Stadt Donezk.

2015 besuchte Frohnmaier das „Donbass Forum“ in Donezk, berichtet Kontext. Damals herrschten schwere Kämpfe in der Region. Das völkerrechtswidrige Vorgehen des Putin-Regimes schien Frohnmaier kaum zu stören.

Ein Jahr später nahm er am Yalta International Economic Forum teil, einer Veranstaltung, die von russischer Seite organisiert wird und international nicht anerkannt ist. Das Jalta-Forum dient dazu, internationale Politiker*innen und Wirtschaftsvertreter*innen für wirtschaftliche Kooperationen und Investitionen in Russland zu gewinnen.

Am Rande des Treffens stand Frohnmaier auch dem russischen Staatsfernsehen Rede und Antwort. Dabei erklärte er, die Krim sei nun faktisch russisch, eine Rückkehr zur Ukraine werde es nicht geben, das müsse man akzeptieren.

Abseits der offiziellen Programmpunkte knüpfte er beim Jalta-Forum zudem persönliche Kontakte: Dort lernte er eine russische Journalistin kennen, die damals für die kremlnahe Zeitung „Iswestija“ arbeitete. Ein Jahr später heirateten die beiden, so Kontext.

Bereits 2016 traf Frohnmaier Vertreter der russischen Regierungspartei „Einiges Russland“ sowie deren Jugendorganisation. Russische Delegationen wiederum nahmen an Veranstaltungen der JA teil, deren Bundesvorsitzender Frohnmaier damals war. Die JA war bis 2025 die Jugendorganisation der AfD und galt als radikaler als ihre Mutterpartei.

Veröffentlichungen im Umfeld von Dugin und russischen Oligarchen

Frohnmaier veröffentlichte Beiträge auf der Plattform „Katehon“, die dem Umfeld des russischen Oligarchen Konstantin Malofejew zugerechnet wird. Malofejew steht seit 2014 auf der EU-Sanktionsliste. „Katehon“ gilt als rechtsextremer Think Tank und ist damit Teil eines neoeurasischen Mediennetzwerks rund um den rechtsextremen russischen Ideologen Alexander Dugin.

„Deutschen Zentrums für Eurasische Studien“

2016 wirkte Frohnmaier zudem an der Gründung eines politisch brisanten, prorussisch ausgerichteten Vereins mit: des „Deutschen Zentrums für Eurasische Studien“ (DZES). Der Begriff „Eurasien“ meint im Sinne Dugins ein geopolitisches Großreich von Lissabon bis Wladiwostok. Vorangetrieben wurde die Vereinsgründung maßgeblich vom mittlerweile verstorbenen Manuel Ochsenreiter, einem engen Weggefährten Dugins und Mitarbeiter von Frohnmaier.

Auch der Pole Mateusz Piskorski war an der Gründung des DZES beteiligt. Piskorski organisierte sogenannte Wahlbeobachtungsmissionen auf der annektierten Krim und in separatistisch kontrollierten Gebieten der Ostukraine. 2016 wurde er in Polen wegen des Verdachts festgenommen, für russische Geheimdienstinteressen tätig gewesen zu sein. Er bestritt die Vorwürfe; das Verfahren zog sich über Jahre hin. Eine strafrechtliche Verantwortung Frohnmaiers in diesem Zusammenhang ist nicht belegt. Politisch relevant bleibt jedoch die personelle Überschneidung mit einem Akteur, gegen den in einem EU-Staat wegen möglicher Spionagetätigkeit ermittelt wurde.

Die Causa Ochsenreiter: Der Brandanschlag von Uschhorod

Wie brisant dieses Netzwerk politisch werden konnte, zeigte sich wenige Monate nach der Gründung des DZES in einem konkreten Fall. Im Februar 2018 geriet mit Manuel Ochsenreiter ein zentraler Akteur aus dem Umfeld des „Deutschen Zentrums für Eurasische Studien“ in den Fokus internationaler Ermittlungen, im Zusammenhang mit einem Brandanschlag in der westukrainischen Stadt Uschhorod.

In der Nacht zum 4. Februar 2018 wurde das Gebäude der Gesellschaft der Ungarischen Kultur mit Molotowcocktails angegriffen. Zunächst brachten die Täter ein Hakenkreuz und den Neonazi-Code 88 an der Fassade an, bevor sie Brandsätze warfen und ein Feuer legten.

Auf den ersten Blick schien es wie ein Anschlag von ukrainischen Rechtsextremen. Dementsprechend verschärften sich die diplomatischen Beziehungen zwischen Ungarn und der Ukraine. Ermittler gingen später davon aus, dass der Angriff bewusst so inszeniert worden sein könnte.

Polnische Behörden nahmen wenig später drei polnische Tatverdächtige fest. Der Hauptangeklagte mit Verbindungen zur rechtsextremen Szene wurde später verurteilt. Vor Gericht belastete er Ochsenreiter als mutmaßlichen Auftraggeber und Finanzier. Ochsenreiter bestritt die Vorwürfe; zu einer rechtskräftigen Verurteilung kam es nicht.

Brisant ist der politische Kontext: Ochsenreiter arbeitete 2018 zeitweise als Mitarbeiter im Bundestagsbüro von Markus Frohnmaier. Dass ein Bundestagsabgeordnetenbüro eine Person beschäftigte, die in einem solchen Ermittlungsumfeld auftauchte, ist politisch erklärungsbedürftig, auch wenn strafrechtliche Vorwürfe nicht abschließend geklärt wurden. Ochsenreiter war zudem für das rechtsextreme Compact-Magazin, das Institut für Staatspolitik und Burschenschaften tätig.

Nach Medienberichten gingen westliche Nachrichtendienste davon aus, dass Manuel Ochsenreiter für den russischen Oligarchen Jewgenij Prigoschin, den Gründer der paramilitärischen Wagner-Gruppe, tätig gewesen sein soll. Außerdem soll sich Ochsenreiter in Russland im Umfeld des ultrakonservativen Unternehmers Konstantin Malofejew bewegt haben. Er verstarb 2021 in Moskau. Alexander Dugin würdigte ihn auf Facebook als seinen „spirituellen Sohn“ und pries ihn ausdrücklich als „Feind der offenen Gesellschaft“.

Mehr als ein Geschmäckle?

Einen öffentlich belegten Beweis dafür, dass Markus Frohnmaier von Russland gesteuert wird, gibt es nicht. Was es jedoch gibt, ist eine über Jahre dokumentierte Abfolge von Kontakten, Reisen, Veröffentlichungen und personellen Überschneidungen mit Akteuren, die in mehreren europäischen Staaten im Zusammenhang mit russischen Einflussstrukturen, Desinformationskampagnen oder sicherheitsrelevanten Ermittlungen auftauchten.

Jeder einzelne Vorgang mag für sich genommen erklärbar sein. In ihrer Gesamtschau ergeben sie jedoch ein politisches Muster, das schwer zu ignorieren ist. Es geht dabei nicht nur um strafrechtliche Schuldzuweisungen, sondern um politische Verantwortung und um die Frage, wie eng demokratisch gewählte Mandatsträger mit autoritären Machtstrukturen verflochten sein dürfen. Und um die Frage, wie Russland Einfluss auf unsere Demokratie nimmt.

Die Fakten liegen auf dem Tisch. Die Bewertung darüber trifft die Wählerschaft. Am Sonntag.

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